Christian Kesten ist Komponist, Regisseur, Klang- und Intermedia-Künstler, Vokalist und Performer.

Sein künstlerisches Interesse gilt dem „Dazwischen“, den Zwischenräumen zwischen Musik und Theater, Musik und Sprache, zwischen Musik und Bildender Kunst. Er erforscht die Verbindungen von Klang und Aktion, Musik und Skulptur, die Durchdringung von Klang und Stille, Klang und Raum.

Seine international präsentierten Solo-Performances arbeiten mit Stimme, Körper, Objekt, Video/Film und Zuspiel/Fieldrecordings. Er erhielt Kompositionsaufträge von Ensembles wie Object Collection New York, Rue du Nord Lausanne, dem Solistenensemble Kaleidoskop Berlin und anderen, mit denen er abendfüllende Werke in Bühnenräumen wie Radialsystem V Berlin oder Schauspielhaus Wuppertal realisierte. Daneben entwickelte er ortsspezifische Arbeiten für Bahnhöfe, Kellerräume oder die drei Fahrstühle des Museums Moderner Kunst Wien.

Kesten erhielt diverse Stipendien und Förderungen, z.B. Villa Aurora Los Angeles 2007, Arbeitsstipendium des Berliner Senats 2015 und 2018 oder Civitella Ranieri Music Fellowship 2016. Gastvorträge, -seminare, Lehraufträge in Berlin, Europa, Israel, Nord- und Südamerika.

Er ist Mitglied der Maulwerker, dem Berliner Ensemble für experimentelle Vokalmusik und experimentelles Musiktheater, und konzipiert die Reihe „maulwerker performing music“ mit spezifischen Themen und zahlreichen Uraufführungen performativer Musik.

Seit 2006 ist er Co-Kurator des LABOR SONOR, der Berliner Konzertreihe für experimentelle Musik, Performance und Film und Künstlerischer Co-Leiter der LABOR SONOR-Festivals, „TRANSLATING MUSIC“ (2015), „MOVING MUSIC. choreographers compose for musicians.“ (2016) und „CHOREOGRAPHING SOUND. musicians compose for dancers. dancers performing music.“ (2018).





AUSZEICHNUNGEN und AUFTRÄGE
2018 – Arbeitsstipendium des Berliner Kultursenats.
2016 – Civitella Ranieri Music Fellowship, Umbrien/ Italien.
2015 – Arbeitsstipendium des Berliner Kultursenats.
2014 – Stipendiat mit einmonatigem Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop.
2012 – Kompositionsauftrag der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung für Untitled #5 für fünf Stimmen, 16', uraufgeführt vom Ensemble Maulwerker bei den XX. Randfestspielen Zepernick.
2011 – Kompositionsauftrag der IGNM, der WIM und der Dampfzentrale Bern für untitled (placing in space) für Violine, Sopransaxophon, Akkordeon, 45’, Festival MIKROTON, Dampfzentrale Bern, Oktober 2011.
2010 – Kompositionsauftrag der Association Rue du Nord Lausanne für des champs sans noms für Klarinette, Klarinette/Bassklarinette, Taschentrompete/Banjo/Elektronik, Akkordeon, Perkussion, Plattenspieler/Violine, Kontrabass/Walkie-Talkies, 75’, Ensemble Rue du Nord, Théâtre 2.21, Lausanne, Oktober 2010.
2008 – Mit der Gruppe antenne pernot Gewinner des interdisziplinären Realisierungswettbewerbs operare08 der Zeitgenössischen Oper Berlin, finanziert von der Kulturstiftung des Bundes, zur Realisierung von WÜSTE WÜSTE.
2008 – Kompositionsauftrag des Ontological-Hysteric Theatres New York für THE ROOM, Ensemble Object Collection, März 2008.
2007 – Gaststipendiat des Auswärtigen Amtes für einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt in der Villa Aurora Los Angeles.
2002 – Arbeitsaufenthalt im Produktionskollektiv FERNWÄRME auf Schloss Bröllin.
2000 – Stipendiat der Stiftung Kulturfonds im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop.
1997/98 – Kompositionsauftrag des Berliner Senats für parochial.
1990 – Dreimonatiger Arbeitsaufenthalt in den Ateliers im Alten Schlachthof Sigmaringen.


Seit 1990 wurden seine KOMPOSITIONEN u.a. hier aufgeführt:
maulwerker performing music VOKALE RÄUME, Ballhaus Ost Berlin, 2018
maulwerker performing music AUGENLIEDER, Ballhaus Ost Berlin, 2017
Chorfestival Meißen, 2017
KONTRA KLANG, Heimathafen Neukölln, Berlin, 2016
KONZERT MINIMAL, Sopienkirche Berlin, 2016
Micro Worlds, Goethe-Institut Boston, 2016
Kammer Klang, Cafe Oto, London, 2014
zoom in festival, Berner Münster, 2013
Kleines Schauspielhaus Wuppertal, 2013
Radialsystem V, Berlin, 2012
Operadagen Rotterdam / De Player / Witte de With Center for Contemporary Art, Rotterdam, 2012
Festival MIKROTON, Dampfzentrale Bern, 2011
Unerhörte Musik, BKA, Ensemble Tangible Bathtub, Berlin, 2011
Association Ensemble Rue du Nord, Théâtre 2.21, Lausanne, 2010
maulwerker performing music SPEAKERS, Berlin, 2010
Concert de Noel, Ensemble CERCLES, La Chaux-de-Fonds/ Lausanne/ Bienne, Schweiz, 2009
Galerienrundgang kulturradio RBB, Berlin 2009
Festival SPIEL09, Andorf, Österreich, 2009
Festival Les Amplitudes, La Chaux-de-Fonds, Schweiz, 2009
Experimental Ontological Series, Ontological Theatre, New York, 2008
Bowerbird, Philadelphia, 2008
Experimental Intermedia, New York, 2008
Goethe-Institut, Montreal, 2008
Perte de Signal, Montreal, 2008
New Music Concerts, Toronto, 2008
The Red Room, Baltimore, 2008
Theater Mannheim, 2007
Q-O2 Brüssel 2007,
Dangerous Curve Los Angeles 2007,
California Institute of the Arts 2007,
Diapason Soundart Gallery New York 2007 und 2008,
TESLA Berlin 2006,
KKL Luzern, Schweiz 2006,
Museum Moderner Kunst MUMOK Wien 2005,
Galerie complice Berlin 2005,
Klangwerkstatt Berlin 2005,
staatsbank französische strasse Berlin 2003,
Festival Randspiele Zepernick 1999 und 2002,
Museo Vostell Malpartida/Spanien 2001,
Festival RESERVOIR IV – Kleiner Wasserspeicher Berlin 2000,
Festival moments musicaux in Aarau/Schweiz 2000,
Zionskirche Berlin 1999,
Festival ESCUTA! Rio de Janeiro 1998,
Unerhörte Musik, Theater Magdeburg 1998,
Parochialkirche Berlin 1998,
Festival CLUSTER - Forum Neue Musik Thüringen, Weimar 1997,
Center for Contemporary Arts Glasgow 1996,
Festival grenzenlos. Berlin in Moskau, Mossovet-Theater Moskau 1996.

Seine Werke wurden von Radiostationen in Deutschland, den Niederlanden, den USA und Kanada gesendet.



PUBLIKATIONEN

CD
another field. works by christian kesten, mit den Stücken: Untitled #5, nichts weiter, LACHEN 1 | 2 | 3, untitled (another field), mit: Maulwerker, Ensemble CERCLES, Antonia Baehr, Lucio Capece, Diego Chamy, Axel Dörner, Christian Kesten, Andrea Neumann. L’Innomable, Slowenien, 2017
• untitled (solo for accordion), auf: Jonas Kocher plays Christian Kesten and Stefan Tuth, BRUIT 2016
• Christian Kesten & Mark Trayle: F23M-12: Field with Figures No. 1-4, another timbre, UK, 2014
• Christian Kesten: zonder titel (schuif en ruis), auf: wedding ceremony, mit: Lucio Capece (bkl, sax), Julia Eckhardt (vla), Christian Kesten (voc), Radu Malfatti (pos), Toshimaru Nakamura (no input mixing board), Taku Sugimoto (git), Cathnor Recordings, UK, 2009

DVD
Performance Saga: Alison Knowles & Maulwerker, Alison Knowles: Silk Thread Song, Christian Kesten: zunge lösen, u.a. Festival BONE 11, Bern 2008, liveartwork editions 2011

Partituren / Kataloge
• „Variationen für Kontrabass. Hommage à Benjamin Patterson“, in: Benjamin Patterson SNEAK REVIEW. Katalog, hg. v. Petra Stegmann, Berlin/Potsdam 2014.
• „G is for Guam Flying Fox“, in: ABECEDARIUM BESTIARIUM. Antonia Baehr & friends, hg. von far° festival des arts vivants, Nyon, Schweiz, 2013
• „der raum dazwischen. duett für einen singenden flötisten“ für Glissandoflöte, Verlag Neue Musik Berlin, 2013
• „LACHEN 1, LACHEN 2, LACHEN 3“, in: RIRE LAUGH LACHEN. Antonia Baehr, hg. von Les Laboratoires d’Aubervilliers, Frankreich, 2008.
• „untitled (placing in space)“, online: the experimental music yearbook, issue 2012/2013
• „unter umständen verabschieden wir uns behalten etwas in erinnerung was wesentlicher erscheint als das gegenwärtige fragen aber nicht mehr“, in: Tools of the Mind, hg. v. Matt Marble, Oregon 2007. – in Verbindung mit der Ausstellung „Usufruct“, kuratiert von Seth Nehil, 7.-30. November 2007, Linfield College, McMinneville, Oregon, in der die Partitur ausgestellt war.
• „ja es ist plötzlich wärmer geworden“, in: Steffi Weismann. VIS-A-VIS, Nürnberg 2007

Texte
• „Konstituenten eines Komponierens im intermedialen Feld“, in: Mythos Handwerk, hg. v. Ariane Jeßulat, Würzburg 2015
• „Gedanken über weite Entfernungen. Über Methoden, Theater zu komponieren“, in: positionen 100, 2014
• „Felder Räume Schichten“, in: echtzeitmusik. selbstbestimmung einer szene, hg. v. Burkhard Beins / Christian Kesten / Gisela Nauck / Andrea Neumann, Hofheim 2011
• „Hören inszenieren“, in: Programmbuch MaerzMusik 2006, Berliner Festspiele, Berlin 2006
• „Intermediales Nicht-Handeln. Wie sich die Musik nach Fluxus veränderte“, in: positionen 66, 2006



AUSBILDUNG
Studium an der Universität der Künste Berlin: Gitarre, Klavier, Gesang; Kontrapunkt/Zwölftontechnik bei Hartmut Fladt; musikwissenschaftliche Examensarbeit "Stille bei John Cage und Morton Feldman"; Experimentelle Musik und Musiktheater bei Dieter Schnebel; Performance Art in der eigens initiierten Freien Performance Klasse; Projekte der Bühnenbildklasse unter Leitung von Achim Freyer / Germanistikstudium an der TU Berlin; Staatsexamen /
Ausbildung "Zen-Künste" (Obertongesang, stimmliche Improvisation, Kalligraphie/Notation etc.) bei Michael Vetter /
verschiedene Schauspiel- und Bewegungsstudien /


PRESSE
"Der Komponist Christian Kesten zum Beispiel liebt Bahnhöfe, wahrscheinlich auch das Wegfahren und Ankommen, das Wechselspiel von Bewegung und Stillstand, das man in jedem Zug, jeder U- und S-Bahn erleben kann. "Nordbahnhof", "Bahnhof Westend" oder "Fahren" heißen seine Kompositionen, darin läßt er die realen Geräusche, das Gerumpel und Getöse, mit Sprache und Musik zusammenfließen. ... Auch "parochial", ein Stück von Kesten, das 1998 in der Parochialkirche uraufgeführt wurde, ist solch ein dem Raum verbundenes Werk. ... ein sinnliches Verwirrspiel …. Zuerst mit Tönen, die sich im Zeitlupentempo nach oben schrauben und nach und nach den ganzen Raum füllen, wie ein Flaschengeist, der kaum dem Gefäß entwichen immer dicker und größer und bedrohlicher wird. Mal klingt das höhnisch, dann wieder eher ekstatisch, vieles ahnt man, statt es wirklich zu hören. Doch dann drängt sich die Sprache in den Vordergrund und klingt wie ein mit der falschen Geschwindigkeit abgespielter Dialog. Das ist aggressiv und unüberhörbar und ... ein beeindruckender Angriff auf die Sensoren des Publikums."
Anna-Bianca Krause, FAZ, 5.8.2000




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Sein künstlerisches Interesse gilt dem "Dazwischen", den Zwischenräumen zwischen Musik und Theater, Musik und Sprache, zwischen Musik und Bildender Kunst.

Zum Beispiel: ja es ist plötzlich wärmer geworden (2003), Musiktheater, in Zusammenarbeit mit Steffi Weismann.

Seine Stücke lenken die Aufmerksamkeit auf den Raum, der sich zwischen Sprachklang und paralleler, nicht-illustrierender Aktion auftut (-cycling 1990; des Kleinen Übergewicht 1995, 45 sekunden 2006),

auf alltägliche Räume und die Klänge in ihnen wie die Bahnhofsstücke, in denen sich minimale Bläserklänge über den Bahnhof verteilt mit den Klängen der Züge und Passanten mischen (nordbahnhof 1996, bahnhof westend 1996, bahnhof zoo 1997).
willkommen zu hause ist für die quietschenden Pendeltüren des S-Bahnhofs Nordbahnhof und zwei Violinen, die die Pendeltürklänge spiegeln, geschrieben: die Zuhörer/Passanten erleben die Musik im Vorübergehen.

In (o.T.) für klarinette in einem raum mit langem nachhall 1 (1999) sowie (o.T.) … 2 (2000) spielt die Klarinette mit ihrem eigenen Nachhall in Mikrointervallen zweistimmig und verweist so auf die Anwesenheit des Raumes.

parochial (1998) – für die Maulwerker (4 Frauenstimmen, Trompete/Stimme, Klarinette/Stimme, Altsax + Zusatzinstrumente) und die Parochialkirche – bewegt sich im Raum zwischen innen und außen; skulpturale Klänge werden im Raum bewegt, verengen oder weiten ihn; die drei Bläser bewegen sich meist außerhalb des Raumes und erweitern die akustische Wahrnehmung über die gesetzten architektonischen Wände hinaus.

zunge lösen (1999/ Ensembleversion 2001) für Zunge/Kehlkopf/Atem geht an die Wurzel der Artikulation und ist sowohl ein Werk für Stimme als auch eine szenische Komposition, Musiktheater an seinem Ursprung.
Wie auch in den neueren Arbeiten unter umständen verabschieden wir uns behalten etwas in erinnerung was wesentlicher erscheint als das gegenwärtige fragen aber nicht mehr (2004) für Wasser, Papier, Stimme; Zunge, Atem, Kehlkopf; Trompete (Trio) und o.T. (atem, zunge, etwas kehlkopf) (2005) für Stimme solo wird hier die vokale Artikulation analysiert und Atem, Zunge und Kehlkopf als separate, sich durchdringende Schichten verstanden.
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